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Barock

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Barock



Ein Irrtum war ausgeschlossen, dafür konnte man sie zu deutlich erkennen. Zwei hell glühende Punkte, die wie aus dem Nichts kamen und aus der Dunkelheit deutlich herausstachen.
Augen, die sie ohne zu blinzeln anstarrten. Laura versuchte die Armbrust ruhig zu halten, doch es gelang ihr nicht.
Die Kreatur kam mit einem Satz aus ihrem Versteck hervor und hielt geifernd, mit gefletschten Zähnen, direkt auf sie zu.
Sie schoss auf den schwarzen Wolf, doch er wich dem Pfeil geschickt aus. Das Pferd begann zu bocken und aufgebracht zu wiehern.
»Chris los, verschwinde!« Während sie zurückwich, zog Laura ihre zwei Schwerter.
Der Wolf hatte sie schon fast erreicht, als plötzlich Samira, die sich von der Seite an ihn herangeschlichen hatte, zwischen den Bäumen hervorkam und sich auf ihn stürzte. Ein wilder Kampf begann. Das Knurren des Wolfes mischte sich mit dem Fauchen der Leopardin. Immer wieder gingen sie aufeinander los. Jeder versuchte, den anderen mit den Zähnen am Nacken zu erwischen. Es war so ein wirres Durcheinander, dass Laura nicht eingreifen konnte, ohne dabei Gefahr zu laufen, Samira zu verletzen. Die Leopardin stieß einen schmerzerfüllten Laut aus, als der Wolf sie am Hals packte. Sie wehrte sich wie wild, doch er hatte sie fest im Zahngriff.
»Oh Gott, Laura, er bringt sie um!«
Laura blieb keine Wahl. Allen Mut zusammennehmend, rannte sie auf Samira und den Wolf zu. Samira wurde vom Wolf gegen einen Baum geschleudert und blieb bewusstlos liegen. Von Adrenalin gepeitscht, griff Laura den Wolf an, doch jeder Hieb ging ins Leere. Könnte sie nur ihre Wut einsetzen und ihn in Flammen aufgehen lassen, doch irgendetwas blockierte ihre Gefühle. So kam es wie es kommen musste:
Das Tier überwältigte sie. Laura landete unsanft mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Als sie versuchte sich aufzurappeln, drückte der Wolf sie mit seinen Pranken nach unten. Seine Klauen bohrten sich dabei schmerzhaft in ihren Rücken. Laura biss die Zähne zusammen, um nicht aufzuschreien. Aus ihren Augenwinkeln sah sie, wie Chris auf sie zukam. Sie drehte ihm das Gesicht zu und schrie: »Chris, bleib wo du bist!«
»Ja Chris, bleib wo du bist.« Die Stimme des Wolfes drang tief und unheilvoll in ihre Ohren.
Sein Grollen bereitete Laura eine Gänsehaut, doch erleichtert stellte sie fest, dass Chris ihrer Aufforderung folgte. Die Flügel provozierend von sich gestreckt blieb er stehen und ließ den Wolf keine Sekunde aus den Augen. Laura biss erneut die Zähne zusammen, als das Tier sich vorbeugte und sie dabei mit seinem Gewicht noch fester zu Boden drückte. Sie bekam kaum noch Luft. Er war größer als ein normaler Wolf und auch schwerer. Sein Atem streifte ihre Haut, als er seine Fratze ganz nahe an ihr Ohr brachte. Wieder sandte ihr seine Stimme unangenehme Schauer über den Rücken. »Hast du eine Ahnung, wer ich bin?«
Laura hatte es vom ersten Moment an gewusst. »Barock«, presste sie zwischen den Zähnen hervor, »du bist Barock.«
»Ah, du hast also von mir gehört? Wie kommt es dann, dass du so töricht bist mich anzugreifen?«
»Ich habe keine Angst vor dir.« Was eine gewaltige Lüge war.
»Ach nein?« Der Wolf sog langsam die Luft ein und knurrte: »Ich kann sie aber riechen. Ich liebe den Geruch von Angst. Dieser ganz besondere Duft, er ist so unglaublich berauschend.« Er schwieg einen Moment und ließ seine Worte wirken. »Es war ein Fehler von euch, meinen Wald zu betreten und für diesen Fehler werdet ihr bezahlen.« Er machte ein Geräusch, das sich wie ein höhnisches Lachen anhörte. Laura sah zu Chris und dann zu Samira, die immer noch reglos am Boden lag.
»Bitte«, sie rang verzweifelt nach Luft, »bitte lass uns gehen. Es war nicht unsere Absicht dich zu verärgern, wir wussten nicht, dass das dein Wald ist. Ich schwöre dir, wenn du uns ziehen lässt, werden wir ihn umgehend verlassen und kommen nicht wieder zurück.«
Barock ließ sich Zeit, bevor er sagte: »Ich kenne dich. Ich weiß, was du bist.«
Wieder sog er tief die Luft ein, so als würde er ihren Duft in sich aufnehmen. »Und ja, ich werde euch gehen lassen. Fürs erste. Jedoch nur um zu beobachten, wie du langsam in dein Verderben rennst. Ja, ich weiß um dein Schicksal, der Tod sucht bereits nach dir. Und wenn er dich gefunden hat, wenn die Würmer bereits ungeduldig nach deinem Fleisch gieren«,
Barock berührte mit seinen Zähnen Lauras Ohr, »dann werde ich da sein und es genießen dabei zuzusehen, wie du vergeblich nach Atem ringst und dein Blut stockt. Ich werde es sein, der dein Herz zum Stillstand bringt. Und dann gehörst du mir. Wenn dein Körper zerfällt, werde ich deinen Geist und deine Seele in mich aufnehmen und dann werde ich dir zeigen was passiert, wenn man so naiv ist zu glauben, man könnte mich zum Narren halten.«
Laura lag völlig regungslos da. Es lief ihr bei jedem seiner Atemzüge kalt den Rücken hinab.
»Mmhh, du riechst so gut.« Seine scharfen Zähne ritzten die Haut an ihrem Hals an. »Asche, Rauch und Feuer. Ja, es wird mir ein Vergnügen sein.«

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