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Laura und Calvin

Textauszüge

Laura und Calvin



Laura achtete nicht darauf sondern griff weiter an, bis sie es schaffte ihn zu entwaffnen. Beide Schwerter auf seinen Hals gerichtet, drängte sie ihn zurück, bis zu einer nicht weit entfernten Holzbank, und zwang ihn sich hinzusetzen. Sie stand so dicht vor ihm, dass Calvin nicht mehr aufstehen konnte und sah siegessicher auf ihn hinunter.
»Ich schätze, das heißt dann wohl, dass ich gewinne.«
»Da wäre ich mir nicht so sicher.« Laura spürte, wie sich etwas Hartes in ihren Rücken bohrte.
Als sie einen Blick über ihre Schulter warf, sah sie den Dolch in seiner Hand.
»Das ist unfair.«
»Tja, ich bin ja wohl nicht der einzige, der hier mit faulen Tricks arbeitet, oder?«
Mit einem amüsierten Ausdruck auf dem Gesicht ließ Laura die Schwerter auf den Boden fallen.
»Es muss wirklich schrecklich für dich sein, von einer Frau besiegt zu werden.«
Calvin ließ den Dolch sinken und sah schmunzelnd zu ihr auf. »Wenn du das sagst.«
Laura kniff die Augen zusammen. »Wage es ja nicht zu behaupten du hättest dich meinetwegen zurückgenommen.«
Sein Schmunzeln wurde zu einem breiten Grinsen.
»Das würde mir nicht im Traum einfallen.«
In diesem Moment fragte sich Laura, wie sie seine Augen jemals für kalt hatte halten können. Dieses ungewöhnlich dunkle Blau, sie hätte sich darin verlieren mögen. Sie befreite sich aus seinem Blick und begutachtete mit deutlicher Genugtuung sein nasses Haar und die kleinen Schweißperlen, die ihm über die Schläfe kullerten.
»Du kannst sagen was du willst: Dein Körper verrät dich.« Ohne weiter zu überlegen, legte sie eine Hand an seine Wange und wischte mit ihrem Daumen die Tropfen weg. Calvin erstarrte unter ihrer Berührung. Er war so angespannt, dass Laura die Muskeln an seinem Kiefer, zucken sehen konnte. Sie würde alles dafür geben um zu erfahren, was in diesem Augenblick in ihm vorging. Er hatte, seit er sie vor ein paar Tagen beinahe geküsst hätte, kein einziges Mal mehr einen Versuch in dieser Richtung unternommen. Sie wusste nicht, ob er sie nur hatte aufziehen wollen oder ob sie sich die Sache gar nur eingebildet hatte. Sie konnte nicht sagen was er wollte, sie konnte nur sagen, was sie selbst wollte.
Sie wollte ihn berühren, ihm nahe sein. Sie war verwirrt. Einerseits bereitete ihr seine Gegenwart Unbehagen, andererseits fühlte sie sich zu ihm hingezogen, und das bereits von Anfang an. Er machte ihr Angst und gab ihr zugleich das Gefühl von Sicherheit. War das normal? Sie wusste es nicht, sie wusste nur, dass seine Anziehungskraft im Moment stärker war als das Unbehagen, das er ihr bereitete, und dass sie sich im Moment mehr als sicher bei ihm fühlte.
Anstatt also ihre Hand wegzunehmen streichelte Laura mit ihren Fingern sanft über sein Gesicht. Da er sie nicht aufhielt, ging sie noch ein wenig weiter. Etwas unsicher beugte sie sich vor und küsste seine Stirn. Sie hielt kurz inne, um auf seine Reaktion zu warten. Er reagierte nicht darauf, wies sie allerdings auch nicht zurück, weshalb sie einfach alle Bedenken über Bord warf. Sie küsste erneut seine Stirn, dann seine Nase, streichelte mit ihren Lippen, zuerst seine rechte und dann seine linke Wange. Der leicht salzige Geschmack seiner Haut und sein wunderbar männlicher Duft hatten eine enorme Wirkung auf sie, weshalb sie schließlich nicht mehr länger warten konnte und ihren Mund auf seinen legte. Er fühlte sich genauso an, wie sie es sich vorgestellt hatte. Warm und weich bot er einen angenehmen Kontrast zu seinen kratzigen, von Bartstoppeln übersäten Wangen. Eine Weile verharrte sie so, ganz still, und genoss ihn einfach.
Als sie sich wieder von ihm löste, sah sie ihm verunsichert in die Augen. Sie war zu weit gegangen, eindeutig.
Beschämt wollte sie sich abwenden, doch noch bevor es dazu kam, nahm er sie am Nacken und zog sie wieder an seine Lippen.
Der Kuss begann sanft, beide ließen sich Zeit, den Geschmack des Unbekannten und die Berührung zweier, sich in dieser Hinsicht, völlig fremder Menschen zu genießen. Irgendwann jedoch wurde es Calvin zu wenig, er wurde fordernder. Er legte seine Arme um sie und drückte sie an sich, weshalb sie sich auf die Bank knien musste, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Dabei küsste er sie mit einer Leidenschaft, die ihr schlichtweg den Atem raubte.
Alles um sich herum vergessend vergrub sie ihre Hände in seinen Haaren und ließ sich rittlings auf seinem Schoß nieder. Begleitet von einem rauen Stöhnen packte er ihre Hüften und drängte sie gegen sich. Hatte sie je sein Interesse in Frage gestellt, so gab es jetzt keinen Zweifel mehr. Sie konnte es fühlen, sie konnte es sehen, riechen, hören und schmecken. Er berauschte ihre Sinne auf eine Weise, wie es noch kein Mann zuvor vermochte. Es war beinahe zu viel und dennoch wollte sie mehr.
Laura begann ungeduldig an Calvins Hemd zu zerren. Nur widerwillig ließ er zu, dass sie sich von seinen Lippen löste, um es ihm über den Kopf zu ziehen. Kaum war dies geschehen, nahm er sie am Hinterkopf und zog sie wieder an sich. Sein Kuss war hart, beinahe grob, so viel Verlangen steckte darin, ihre Körper drängten sich fest gegeneinander. Auch ihre Berührungen waren weder sanft noch zaghaft. Es war mehr als offensichtlich, dass sie keinen Gedanken daran verschwendeten, wo sie waren und es bestand auch kein Zweifel daran was geschehen wäre, hätten sie nicht plötzlich aus unmittelbarer Nähe eine Stimme gehört.
Wie von der Tarantel gestochen sprang Laura auf und taumelte ein paar Schritte zurück. Mit zitternden Händen berührte sie ihre Lippen. Sie war völlig durcheinander, Calvin dagegen schien die Ruhe in Person zu sein.
»Calvin bitte verzeih mir, ich wollte nicht … ich meine es war … es ist … oh nein, auch das noch.«
Aus den Augenwinkeln bemerkte Laura wie jemand schnellen Schrittes auf sie zukam. Als sie aufblickte, sah sie Selana.
»Da steckst du also, meine Güte, Calvin, ich habe schon überall nach dir gesucht.«


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