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Die Kerker von Hellond

Textauszüge

Die Kerker von Hellond



Noch nicht weit gekommen, ließ eine tiefe Männerstimme sie in ihrer Bewegung erstarren. »Wenn du weißt, was gut für dich ist, dann bewegst du dich keinen Millimeter mehr.«
Sie kannte die Stimme, doch sie hatte keine Kraft mehr, um zu flüchten oder sonst irgendetwas zu tun. Auf allen vieren blieb sie, wo sie war und wagte es nicht einmal, den Kopf zu heben. Sie biss die Zähne zusammen und starrte auf den Boden.
Er sprang vom Pferd und kam ein paar Schritte auf sie zu.
»Ich habe ihm gesagt, dass du uns nur Ärger machen würdest, aber er wollte ja nicht auf mich hören. Sieh mich an!«
Laura rührte sich nicht.
»Ich habe gesagt, du sollst mich ansehen!«
Irgendetwas in seiner Stimme brachte sie dazu den Kopf zu heben und seinem Blick zu begegnen. Auf keinen Fall wollte sie ihm die Genugtuung gönnen, zu sehen, dass sie am Ende war. Als sie seine Augen fand, waren sie kühl und durchdringend, verursachten ihr eine Gänsehaut. Die Armbrust in seinen Händen war bei Weitem nicht so einschüchternd wie sein Blick. Doch der veränderte sich ganz plötzlich. Er sah sie an wie einen Geist. Seine Augen wanderten  zu dem Haufen Asche, der einst ein Hund gewesen war und dann wieder zurück zu ihr. Sekundenbruchteile später, war er wieder ganz der alte. Hatte sie sich das nur eingebildet? Schließlich war sie sehr stark mit dem Kopf aufgeschlagen. Wie auf Kommando setzte das Pochen wieder ein.
»Los, nehmt sie mit. Kellmir wartet bereits auf sie.«
Links und rechts von dem Soldaten, tauchten zwei Männer auf und zerrten sie auf die Beine. Immer noch völlig erschöpft, ließ sie es widerstandslos über sich ergehen, gab keinen Mucks von sich, obwohl sie vor Schmerzen am liebsten geschrien hätte.
Auf dem Weg zu Kellmir nahm Laura von ihrer Umgebung nichts mehr wahr. Sie konnte nicht mal sagen, wie sie in die große Halle gekommen war, in der Kellmir unmittelbar vor ihr auf einem breiten Sessel thronte wie ein König. Die Soldaten ließen sie los und sie landete kraftlos auf allen vieren direkt vor seinen Füßen.
»Du hattest recht, Calvin, ich hätte mich auf dein Urteil verlassen sollen. Stattdessen habe ich mich von meinen Bedürfnissen leiten lassen und einen hohen Preis dafür bezahlt.«
Calvin. Raoul hatte also tatsächlich recht gehabt. Laura hielt den Blick gesenkt. Mutlos, erschöpft und von Schmerzen gepeinigt, hätte sie am liebsten laut losgeheult.
»Vier Männer verwundet, zwei Hunde tot, dazu kommt noch ein erheblicher Sachschaden. Ich hätte dir Gnade erwiesen, doch du trittst meine Mildtätigkeit mit Füßen. Das werde ich nicht tolerieren. Männer sind schon für weitaus weniger hingerichtet worden, also ist es nur rechtens, dass auch du den Tod erleidest. Das Urteil lautet: Tod durch Erhängen. Die Exekution findet morgen bei Sonnenaufgang in aller Öffentlichkeit auf dem Marktplatz statt.«
Laura hielt den Atem an.
»Gibt es noch irgendetwas, das du mir sagen willst, bevor ich dich in den Kerker sperren lasse?«
Nein, sie würde nichts sagen. Was auch? Sie wusste, dass es an ihrer Situation nichts mehr ändern würde.
»Gut, wie du willst. Schafft sie mir aus den Augen.«
Widerstandslos ließ sich Laura zu den unterirdischen Kerkern führen. Sie versuchte gar nicht erst sich zu wehren, als man ihr unsanft ihre Kleidung herunter riss und ihr einen Stofffetzen überzog, der kaum die wichtigsten Stellen ihres Körpers bedeckte. Wenig später kauerte sie, Hände und Füße an die Wand gefesselt, auf dem kalten Steinboden einer Zelle, die erbärmlicher stank als der Abwassergraben Celsias. Sie war allein.
Nun konnte sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Tränen liefen ihr über die Wangen, als der Schmerz sie überwältigte. Nicht der körperliche, obwohl der schon fast unerträglich war, nein, der seelische. Sie dachte an Lilly und Chris, ihr Leben, das bis vor ein paar Tagen nicht spektakulär, aber für sie dennoch schön gewesen war. Sie wünschte sich nichts mehr, als wieder zu Hause zu sein. Völlig am Ende fiel sie in einen unruhigen Schlaf. Kein Tageslicht drang in die Kerker, weshalb sie nicht sagen konnte, wie lange sie geschlafen hatte, als ihr ein Kübel kaltes Wasser ins Gesicht geschüttet wurde. Erschrocken schnappte sie nach Luft, wusste anfangs gar nicht, wo sie war, bis sie die zwei Männer erkannte, denen sie ein paar Stunden zuvor noch eine gehörige Abreibung verpasst hatte. Mit einem gewissen Maß an Genugtuung sah sie in ihre demolierten Gesichter.
»Dir wird dein dämliches Grinsen schon noch vergehen. Wenn wir erst mit dir fertig sind, wirst du dir nichts sehnlicher wünschen als dass der Galgen deinem erbärmlichen Leben endlich ein Ende setzt.«
Der jüngere der beiden Männer schnappte sich einen zweiten Kübel und wieder traf das eiskalte Wasser Laura direkt ins Gesicht. Keuchend rang sie nach Luft. Der Ältere ging vor ihr in die Hocke und packte sie am Hals.
»Weißt du, was das Schöne an diesen Kerkern ist? Du kannst schreien so laut du willst, niemand wird dich hören. Und du wirst schreien, das schwöre ich dir.«
Angeekelt tat Laura das einzige, was ihr noch blieb, um ihre Verachtung auszudrücken: Sie spuckte ihn an. Seine Antwort darauf war ein fester Schlag, der ihr den Kopf zur Seite riss. Sie schmeckte Blut in ihrem Mund.
Laura war nicht dumm, sie wusste, was nun kommen würde, und sie war ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Schmierig grinsend machte der Soldat jeden ihrer verzweifelten Abwehrversuche zunichte. Laura gab auf. Alles, was ihr jetzt noch übrig blieb war zu hoffen, dass es schnell vorbei sein würde.

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